Wer zahlt Hilfsmittel für den Sport? Der DBS-Fachartikel zur Versorgungslücke

27. Juli 2026 Aus Von David Admin
Fachartikel27. Juli 2026 · 3 Min. Lesezeit · Redaktion Hilfsmittelbörse

Wer nach einer Amputation oder mit Behinderung Sport treiben will, braucht dafür oft spezielle Hilfsmittel – eine Sportprothese, einen Sportrollstuhl, ein Handbike. Genau an dieser Stelle beginnt für viele ein zäher Kampf mit der Krankenkasse. Benedikt Ewald und Kerstin Aschenbroich vom Deutschen Behindertensportverband (DBS) haben die Lage im Fachartikel „Hilfsmittelversorgung für den Sport“ (RP Reha 4/2024) analysiert. Hier fassen wir die wichtigsten Punkte zusammen.

„In vielen Fällen dauerte es fast zwei Jahre und manchmal sogar ein Gerichtsverfahren, bis eine Krankenkasse eine Sportprothese oder andere Hilfsmittel bewilligte. Aus Sicht des DBS leistet die Hilfsmittelbörse, die einen schnelleren und unbürokratischeren Zugang zu Hilfsmitteln ermöglicht, einen wichtigen Beitrag zur Teilhabe am Sport.“

Kerstin AschenbroichKerstin Aschenbroich, Referentin für Medizin, Deutscher Behindertensportverband (DBS)
Fachartikel in RP Reha 4/2024 (PDF)

Kurz beantwortet: Zahlt die Krankenkasse Hilfsmittel für den Sport?

Bei Erwachsenen meist nein: Gesetzliche Krankenkassen lehnen Sportprothesen oder Sportrollstühle regelmäßig ab, weil Sport nach ihrer Auffassung kein „Grundbedürfnis des täglichen Lebens“ ist. Infrage kommt stattdessen die Eingliederungshilfe (§§ 76, 84 SGB IX). Bei Kindern und Jugendlichen müssen die Kassen Sporthilfsmittel dagegen bewilligen, etwa für den Schulsport. Der DBS fordert, Sport als Grundbedürfnis anzuerkennen – ein günstiger Zwischenweg sind gebrauchte Sporthilfsmittel.

Warum reichen Alltags-Hilfsmittel für den Sport nicht aus?

Sporthilfsmittel sind keine Luxusversion der Alltagsversorgung, sondern anders konstruiert: Sportprothesen arbeiten rein mechanisch und sind deutlich leichter – Joggen ist mit einer Alltagsprothese weder sinnvoll noch gesund. Sportrollstühle haben schräg gestellte Räder für Stabilität und Wendigkeit, beim Rugby kommen Schutzelemente dazu. Wer mit unpassender Ausrüstung trainiert, riskiert Fehlbelastungen und Druckstellen.

Dabei wäre mehr Sport dringend nötig: Von den über 13 Millionen Menschen mit Beeinträchtigungen in Deutschland treiben laut Teilhabebericht der Bundesregierung 55 Prozent keinen Sport – obwohl die WHO Menschen mit Behinderungen sogar überdurchschnittlich viel Bewegung empfiehlt und die UN-Behindertenrechtskonvention Teilhabe am Sport als Recht festschreibt.

Warum lehnen Krankenkassen Sporthilfsmittel ab?

Die Kassen berufen sich auf die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts: Sport gehöre bei Erwachsenen nicht zu den „Grundbedürfnissen des täglichen Lebens“, sondern sei private Lebensführung. Wie zermürbend das in der Praxis ist, zeigt der Fall einer 26-Jährigen aus dem Fachartikel: Sportprothese beantragt im August 2022, Ablehnung, Widerspruch, Klage vor dem Sozialgericht, Gutachten – bewilligt erst im März 2024, nach gut anderthalb Jahren. Die Autoren halten diese Rechtsauffassung für überholt, weil sie der UN-Behindertenrechtskonvention widerspricht.

Welche Wege gibt es trotzdem?

Der Fachartikel nennt drei Ansatzpunkte: Erstens kann die Eingliederungshilfe Sporthilfsmittel als Leistung zur Sozialen Teilhabe finanzieren – das wissen viele Betroffene nicht. Die Krankenkasse müsste einen Antrag sogar innerhalb von zwei Wochen dorthin weiterleiten (§ 14 SGB IX). Zweitens haben Kinder und Jugendliche bessere Karten: Für Schulsport und Integration mit Gleichaltrigen sieht das Bundessozialgericht die Kassen in der Pflicht. Drittens hilft eine fundierte sportärztliche Beratung mit sauberer Verordnung – eine Übersicht typischer Sporthilfsmittel bietet der Handlungsleitfaden Hilfsmittel des DBS.

Und bis die Bürokratie entschieden hat? Gebrauchte Sporthilfsmittel sind der schnellste und günstigste Einstieg: Auf der Hilfsmittelbörse findest du Sportrollstühle, Handbikes und mehr aus zweiter Hand – kostenlos und ohne Provision, seit 1997.

Quelle: Benedikt Ewald / Kerstin Aschenbroich: Hilfsmittelversorgung für den Sport aus Sicht des Deutschen Behindertensportverbands, RP Reha 4/2024. Zum vollständigen Fachartikel (PDF)

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